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Der Weg

Das Chaos der letzten Tage lichtete sich. Nicht etwa, weil ich irgendetwas aufgeräumt hatte, sondern weil sich meine Gedanken wieder gesammelt hatten. Sie lagen jetzt wieder klar vor mir. wie ein neuer Pfad den ich betreten musste.
Musste? Na ja, oder konnte. Wie auch immer.

Nach seinem Tod war eine unerklärliche leere in mein Leben getreten. Die ich, so schien es, nicht ausfüllen konnte.

Nichts lenkte mich so sehr ab, dass ich nicht an ihn denken musste. Alle meine Freunde schleppten mich zu den unterschiedlichsten Feiern und Festen mit, um mich auf andere Gedanken zu bringen, wie sie sagten.

Das sich aber meine Gedanken, seit wir uns begegnet waren und begonnen hatten unser Leben miteinander zuteilen, nur noch um ihn drehte, schien schwer begreiflich zu sein für alle außenstehenden.

Man wünscht sich ja immer, dass ungeschehen machen zu können, was einem oder Menschen die man liebt, wiederfahren ist.
Aber ich hatte gelernt, das Krankheit und Tod genauso zum Leben gehören, wie die Geburt.
Ich hatte dazu mal einen sehr schönen Satz gehört:

"Kein Anfang, kein Ende, Papier stirbt nicht,
es wir nur zu etwas anderem"

Klar, das stimmte, denn wenn Papier verbrannt wird, dann entsteht Asche.

Aber was wird aus denen von uns geliebten Menschen, wenn sie uns verlassen? Ich möchte glauben, dass er es jetzt gut hat. Nicht der Himmel ist , was ihn erwartet, aber vielleicht jener innere Frieden, den alle Menschen zu Lebzeiten anstreben.
Ich weiß, dass er immer bei mir sein wird, denn ich glaube auch an Geister und andere spirituelle Dinge. Ich würde es gerne einmal mit Gläserrücken versuchen, um noch mal mit ihm reden zu können. Dafür würde ich alles tun.
Ich weiß natürlich, dass Gläserrücken gefährlich ist, weil es auch Mächte anziehen kann, von denen wir keine Ahnung haben.

Aber in solch einem Moment sind einem alle logischen Gedanken fremd, alle Bedenken werden weggewischt und die Sehsucht siegt über den Verstand.

Ich legte meine Finger auf das umgedrehte Glas, dass ich sorgfältig in die Mitte des Witchboards gestellt hatte. Tief zog ich die Luft durch die Nase ein. Im CD Player lief sein Lieblingssong.

Ich sprach leise zu dem, Glas und dachte noch so bei mir - wenn dir hier einer zuguckt...

Plötzlich öffnete sich das Fenster, schlug bis zum Anschlag nach hinten und ein eisiger Hauch erfüllte das Zimmer.

Ich spürte, etwas war anders, wie zuvor. Langsam erhob ich mich, ging zum Fenster, schloss es wieder, drehte mich um und sagte leise "Hallo?!"
Und mir war, als hätte sich in diesem Moment das Glas bewegt.


vom 12 November 2001